Bocholt, mit 73000 Einwohnern auf 119 qkm die größte Stadt im Ev. Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken, hat seit der kommunalen Neuordnung im Jahr 1975 zwei Gemeinden in seinen Mauern: die Ev.-ref. Kirchengemeinde Suderwick und die Ev. Kirchengemeinde Bocholt. Die „Seelenzahl“ der Bocholter Gemeinde beträgt 7600, die von Suderwick 680, so dass 11,5 % der Bevölkerung Bocholts evangelisch sind.
Obwohl wie viele andere Gemeinden Westfalens eine Gründung des 19. Jahrhunderts, so ist doch schon für viel früher evangelisches Leben in dieser Stadt nachzuweisen, wenn auch nicht in einer kirchenrechtlich genehmigten Form.

I. Daten zur Geschichte der Gemeinde
Für etwa 100 Jahre, von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, waren große Teile der Bevölkerung Bocholts und die Mehrheit des Stadtrates evangelisch.
Während der Besatzung Bocholts durch die Truppen des Landgrafen von Hessen-Kassel (1633 – 1650) konnte sich sowohl eine reformierte als auch eine lutherische Gemeinde ungehindert entfalten.
Die Maßnahmen der Gegenreformation, die von den Fürstbischöfen von Münster rigoros durchgeführt wurde, ließen die Zahl der Protestanten zur Mitte des 18. Jahrhunderts in der Stadt auf weniger als 80 Personen schrumpfen. Deren gottesdienstliche Betreuung und die Ausübung der Amtshandlungen erfolgte durch die reformierten und lutherischen Pfarrer von Werth; die reformierten Einwohner von Suderwick begaben sich in das benachbarte niederländische Dinxperlo.
Das Fürstbistum Münster wurde 1803 aufgehoben. Von 1803 bis 1810 war Bocholt Regierungssitz des Fürstentums Salm: Fürst Konstantin zu Salm-Salm gewährte den Protestanten 1806 Religionsfreiheit. Nach dem Intermezzo der französischen Besatzung wurde das Westmünsterland 1815 als Kreis Borken der Provinz Westfalen und damit dem Königreich Preußen eingegliedert.
1818 August 3
„Gründungsbericht“, verfasst und unterschrieben von S. Hageman, F. Sluyterman und B. W. Dethmar; in ihm werden die jahrelangen Bemühungen um eine eigene Kirche geschildert.
1819 Februar 17
König Friedrich Wilhelm III. von Preußen genehmigt die Errichtung einer evangelischen Pfarrgemeinde in Bocholt.
1819 Oktober 18
Die St. Agnes-Kapelle des 1803 säkularisierten Augustinerinnen-Klosters auf dem Schonenberg wird als evangelische Kirche eingeweiht. Die Kirche und das künftige Pfarr- und Schulhaus hatte der Kirchenvorstand am 31. Juli 1818 von den Fürsten zu Salm-Salm und zu Salm-Kyrburg für 2212 holländische Gulden erworben.
1820 Juni 5
Die Königliche Regierung zu Münster gibt den Umfang des Pfarrbezirks bekannt:
Er umfasst die Einwohner der Stadt und des Kirchspiels Bocholt und die von Suderwick. Die Gemeinde gehört zur Kreissynode (früher: „Classis“) Wesel, kirchlich demnach zum Rheinland, politisch zu Westfalen.
Der Bekenntnisstand ist uniert, was durch das Kirchensiegel – zwei ineinander verschlungene Hände – symbolisiert wird. In der ersten Zeit war eine reformierte Ausrichtung vorhanden, denn von den etwa 400 Gemeindegliedern stammte über die Hälfte aus Suderwick.
1837 Dezember 13
Die Königliche Regierung erklärt den Beitritt der evangelischen Eingesessenen des Kirchspiels Rhede. Dieser war de facto aber schon 1819 erfolgt.
Amtlich „vergessen“ wurde von der Regierung das Kirchspiel Dingden, das ebenfalls zum Pfarrbezirk gehörte. Damit umfasste die Parochie außer der Stadt und Feldmark Bocholt und den Dörfern Dingden, Rhede und Suderwick an die 20 Bauernschaften.
1864 Januar 1
Suderwick, das schon seit 1843 nur noch „Gastgemeinde“ war, wird ausgepfarrt und erhält zunächst den Status einer Filialgemeinde von Anholt.
In den folgenden Jahrzehnten wird eine Bauernschaft nach der anderen umgepfarrt.
1872 Dezember 10
Das Königliche Konsistorium der Provinz Westfalen in Münster entscheidet: Die Subsynode Wesel, das sind die Kirchengemeinden Anholt / Suderwick, Werth, Gemen / Oeding und Bocholt, wird aus der Kreissynode Wesel herausgenommen und der neu gebildeten Kreissynode Münster – und damit auch dem Provinzial-Synodalverband von Westfalen – zugeordnet.
1901 November 15
Die neu erbaute evangelische Kirche an der Münsterstraße, zwischen der Schwartz- und der Leopoldstraße, wird eingeweiht. Der Neubau war notwendig geworden, da innerhalb von ein paar Jahren die Zahl der Gemeindeglieder von 800 (1890) auf 2700 (1901) angestiegen war.
Den Namen „Christuskirche“ erhielt sie erst am 8. Dezember 1963, dem Tag, an dem die Apostelkirche eingeweiht wurde.
Der Zuzug von vielen Flüchtlingen ließ nach 1945 die Zahl der Gemeindeglieder stark anwachsen, so dass eine organisatorische Aufteilung des Pfarrbezirks in schließlich drei Gemeindebezirke und eine entsprechende Erhöhung der Zahl der Pfarrstellen unvermeidlich wurde.
1961 Januar 1
Auspfarrung von Rhede
1963 Dezember 8 (2.Advent)
Weihe der Apostelkirche am Rosenberg
2002 Januar 1
Die Grenzen zwischen den Gemeindebezirken werden neu festgelegt.
Winfried Grunewald