Würde man einen Stammbaum der christlichen Religion aufmalen, so sähe er in etwa so aus:

  • Wurzel und somit die Grundlage für alle christlichen Konfessionen ist die Bibel
  • Am Anfang waren alle Christen katholisch.
  • Im Jahre 300 entstand die Armenische Kirche
  • Im Jahr 536 entstand die Koptische Kirche
  • Im Jahre 1054 entstand die Orthodoxe Kirche und
  • ab 1517 entstand die protestantische (evangelische) Kirche.

 

Was um 1517 passierte

Der Mönch Martin Luther entdeckte in der damaligen Kirche viele Missstände. Ihm fiel zum Beispiel auf, dass reiche Menschen besser behandelt wurden als arme und dass es die Bibel nur in lateinischer Sprache gab. Das konnten  nur sehr wenige Menschen lesen. Dagegen hat Martin Luther protestiert. Viele Leute dachten genau so wie er – sie protestierten, taten sich zusammen und gründeten die evangelische Kirche. Deswegen nennt man evangelische Christen auch “Protestanten”.
Katholischer und evangelischer Glaube sind also unterschiedliche Glaubensrichtungen in der christlichen Religion. Diese verschiedenen Richtungen nennt man Konfessionen.

Die Glaubensspaltung während der Reformation des 16. Jahrhunderts teilte also die abendländische Christenheit leider in eine katholische und evangelische. Seit einigen Jahrzehnten ist man wieder auf der Suche nach der Einheit. Dieses Bemühen nennt man Ökumenische Bewegung. In vielen Glaubensfragen blieb die Einheit trotz Spaltung erhalten, in anderen wurde sie wieder entdeckt:

Aber: Alle sind Christen.

Evangelische und katholische Christen haben gemeinsam:

  • die Heilige Schrift als Wort Gottes
  • die Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
  • der Glaube, dass wir von Gott geliebt und angenommen werden nicht aufgrund eigener Leistung, sondern allein aus Gnade
  • der Glaube, dass Gott durch den Hl. Geist unsere Herzen erneuert und uns zu guten Werken befähigt
  • der Glaube, dass Christus in der Eucharistie/im Abendmahl wirklich gegenwärtig ist
  • der Glaube, dass Gott uns das ewige Leben schenken will.
  • das Apostolische Glaubensbekenntnis, das “Große Glaubensbekenntnis” (der Konzile von Nizäa 325 und Konstantinopel 381), die Feier des Sonntags, viele Feste, Gebete, Lieder, etc.
  • der vielfältige Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

 

Freilich gibt es auch viele Unterschiede. Aber nicht alles, was verschieden ist, muss die Kirchen trennen. Unterschiede in den Gottesdienstformen, in den theologischen Schwerpunkten und in den Kirchenordnungen können auch eine gegenseitige Bereicherung sein. Die gewünschte Einheit der Christen will diese bunte Vielfalt nicht beseitigen. Das Ziel der Ökumene ist nicht eine “uniforme Superkirche”, sondern die “versöhnte Verschiedenheit” der Konfessionen.

Was wirklich (noch) trennt:

  • Wer leitet die Kirche?
    Evangelische Christen haben keinen Papst. Im katholischen Kirchenverständnis ist der Papst der “Nachfolger des hl. Petrus” und als solcher von Christus zum obersten Schlüsselträger und Hirten der Kirche bestimmt (vgl. Mt 16,18f; Joh 21,15-17). Nach dem Dogma der Unfehlbarkeit ist eine Entscheidung des Papstes ex cathedra für alle katholischen Christen bindend. Für Evangelische ist es unvorstellbar, dass Bischöfe, oder gar der Papst qualitativ oder moralisch bessere Menschen sind. Alle Menschen sind vor Gott gleich. Alle Menschen machen Fehler und sind auf Vergebung angewiesen. Deswegen ist es aus evangelischer Sicht undenkbar, dass der Papst, „ex Cathedra“ Entscheidungen treffen darf, die unwiderruflich sind. Die Leitungsstrukturen in der Evangelischen Kirche sind demokratischer – von unten nach oben verfasst.

  • Welche Stellung haben Pfarrer und Priester?
    Unterschiedlich ist auch das Verständnis der Geistlichen, also der Pfarrer und Priester. Bei den evangelischen Christen dürfen auch Frauen als Pfarrerin tätig sein und die Pfarrer dürfen heiraten  – beides geht bei den Katholiken nicht.

  • Unterschied zwischen Pfarrer/ Priester und Gläubigen.
    In der evangelischen Kirche gibt es auch keine Unterscheidung zwischen „Klerus und Laien“,
    wie in der katholischen Kirche.
    Nach übereinstimmender Überzeugung der Reformatoren ist die Taufe das Grundsakrament, das uns in die Nachfolge Christi ruft. Zu dieser Nachfolge gehört, dass wir einander Priester sind, das heißt einander vergeben und füreinander beten. Darum vertritt die Reformation mit besonderem Nachdruck die Lehre vom allgemeinen Priestertum beziehungsweise, wie man auch sagt, vom Priestertum aller Gläubigen.Die reformatorischen Kirchen kennen keinen besonderen geistlichen Stand. „Pfarrer“ ist ein bürgerlicher Beruf, kein im Vergleich mit Nichtpfarrern besonderer Stand.
    Und dennoch gibt es auch bei den Lutherischen das ordinierte Amt derer, die nach der Ordnung zur öffentlichen Evangeliumsverkündigung und zur Sakramentsverwaltung berufen sind. Diese Ordnung soll auch dem Frieden in der Kirche und der klaren Verkündigung des Wortes Gottes dienen, denn vor der Berufung steht eine umfangreiche und langjährige Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer.
    Das Evangelium zu verkünden, zu taufen und das Abendmahl zu halten, ist Auftrag Christi.
    Es ist nicht so, dass sich die Gemeinde vor Ort überlegt: Wer könnte das bei uns machen?
    Die Ordinierten stehen in der Nachfolge der Apostel, was ihren Auftrag betrifft. Das kirchliche
    Amt ist nicht einfach Menschensatzung, sondern Stiftung Christi.
    Artikel V des Augsburgischen Bekenntnisses von 1530 spricht davon, dass Gott das Predigtamt eingesetzt hat, um das Evangelium von der Rechtfertigung zu verkündigen. Art. XIV stellt fest, dass niemand in der Kirche öffentlich lehren oder predigen oder das Sakrament reichen soll ohne Ordination. Dazu sind alle Getauften berufen:

    • Ein Kaufmann soll ein ehrlicher Kaufmann sein und darin Christus die Ehre geben. Damit
      zeigt er sich als Zeuge des Evangeliums.
    • Eine Mutter soll eine gute Mutter sein und ihr Kind weder vernachlässigen noch verziehen.
      So gibt sie Christus die Ehre und erweist sich als Zeugin des Evangeliums.
    • Ein Ehemann soll ein treuer und fürsorglicher Gatte sein. So gibt er Christus die Ehre und
      predigt lebendig und glaubwürdig das Evangelium.

 


  • Unterschied bei der Abendmahlsfeier
    Den wichtigsten Unterschied zwischen katholischem und evangelischem Glauben gibt es wohl bei der Abendmahlsfeier bzw. der Eucharistiefeier. Katholiken glauben, dass dabei Brot und Wein zum Leib und Blut Christi werden und Jesus so in jeder Messe körperlich anwesend ist. Für Protestanten ist Jesus auch in der Feier des Heiligen Abendmahls gegenwärtig, wie er es verheißen hat: “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.” (Mt.18,20).Brot und Wein bleiben aber nach evangelischem Verständnis beim Abendmahl Brot und Wein. Sie sind eher ein Symbol für Jesu Liebe zu uns: So wie Körner zermalen und daraus wunderbares Brot wird, und so wie Trauben gepresst und der Saft aus den Trauben fließt, so wurde Jesu Leib für uns am Kreuz gebrochen und sein Blut zur Vergebung unserer Schuld vergossen. Das bedeutet: Jesus hat uns so sehr geliebt, dass er für uns am Kreuz gestorben ist.
    Nach evangelischem Verständnis darf jeder getaufte Christ an den Tisch des Herrn kommen. Nach katholischem Verständnis dürfen nur Katholiken an der Eucharistie teilnehmen.

  • Unterschiedliche Anzahl der Sakramente
    Die katholische (und orthodoxe) Kirche kennt sieben Sakramente (=Geheimnisse, in denen sich Gott besonders als Gegenwärtig zeigt), die evangelische Kirche erkennt nur die Taufe und das Abendmahl (Eucharistie) als Sakramente an (Trauung, Konfirmation, Übertragung des geistlichen Amtes etc. sind für sie nur Segnungen, aber keine Sakramente!) Nach evangelischer Auffassung gelten als Kriterien für ein Sakrament: Es muss von Jesus Christus durch ein ausdrückliches Stiftungs- bzw. Verheißungswort eingesetzt seines muss mit einem sichtbaren Zeichen verbunden sein. Das erste Kriterium wird nach evangelischem Verständnis für Ehe, Salbung, Firmung und Weihe nicht erfüllt.

  • Heiligenverehrung
    Evangelische lehnen die Verehrung Marias und der Heiligen ab, weil sie befürchten, dass dadurch Gottes Ehre geschmälert wird. Nach evangelischem Verständnis sind “Heilige” aber Vorbilder des Glaubens, denen es nachzueifern gilt. Gläubige benötigen sie aber nicht als „Fürsprecher bei Gott“, sondern können sich direkt an Gott mit ihrem Gebet wenden.
    Und – “Heilige” können sich letztlich alle Menschen nennen, die an Jesus Christus glauben und ihm nachfolgen. Heilige sind nämlich diejenigen, die dem Heil in Christus zustreben. Deshalb richtete der Apostel Paulus auch seine Briefe „an die Heiligen“ in der Gemeinde. (Vgl. Römerbrief, Kapitel 1: „… unter denen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi … allen Geliebten Gottes, den berufenen Heiligen, die in Rom sind: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“ (Verse 6.7)

  • Auslegung der Heiligen Schrift
    Evangelischer Glaube hält die Hl. Schrift allein für klar genug, um daran alle Lehren zu überprüfen. (Die Hl. Schrift legt sich selbst aus). Nach katholischer Lehre wird die rechte Auslegung der Hl. Schrift  durch die ununterbrochene Glaubenstradition des Gottesvolkes und durch das kirchliche Lehramt garantiert.

  • Verständnis der Kirche
    Die Gemeinschaft der Kirche spielt für Katholiken eine viel wichtigere Rolle als für Evangelische. Sie ist für katholische Christen Sakrament des Heiles, d. h. Zeichen und Werkzeug Gottes in der Welt.
    Beim unterschiedlichen Kirchenverständnis muss man wissen, dass es bei Evangelischen und Katholischen um eine unterschiedliche Wahrnehmung von Kirche geht:

    • Wenn ein Evangelischer von seiner Kirche spricht, meint er in der Regel seine Kirchengemeinde. Der Katholik dagegen meint mit „ Kirche“ seine Institution, und er denkt dabei nicht nur an das deutsche Gebiet, sondern schließt stets Rom mit ein.
    • Noch deutlicher wird es beim Begriff „Ortskirche“:
      Für die evangelische Gemeinde ist ihre Gemeinde vor Ort die “Ortskirche”.
      In der katholischen Kirche versteht man das Bistum  als “Ortskirche”.
      Für das evangelische Kirchenverständnis ist die gottesdienstliche Gemeinde, die sich am Sonntagmorgen um Wort und Sakrament versammelt, ganz Kirche (Confessio Augustana (Augsburger Bekenntnis), Artikel VII). Hier findet ein Christ alles, was er für sein Heil bedarf.

  • Ausstattung der Kirche
    Im Blick auf die Innenausstattung der Kirche ist der Innenraum katholischer Kirchen oft sehr prachtvoll ausgestattet. Man findet fast überall 12 Apostelkreuze. Evangelische Kirchen sind innen zumeist einfacher gestaltet und verzichten auf pompöse Ausstattung. Die Konzentration auf Gebet und Hören des Wortes Gottes stehen im Vordergrund.

Weil sie sich in den meisten Glaubensfragen einig sind, versuchen viele Katholiken und Protestanten, ihre Religion gemeinsam zu leben. Wenn Christen verschiedener Konfessionen miteinander glauben, nennt man das “Ökumene“. Das ist Griechisch und bedeutet: “die ganze bewohnte Erde”. Damit wollen Christen zeigen: eigentlich gehören wir alle zusammen.

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