Worin liegt der Unterschied zwischen evangelischem und katholischem Glauben?

Zunächst ist wichtig: katholische und evangelische Gläubige haben mehr Gemeinsamkeiten, als Unterschiede. Sie alle sind Christen.

Das heißt, sie glauben an Gott und daran, dass er uns Jesus Christus als seinen Sohn auf die Erde geschickt hat. Sie sind außerdem überzeugt, dass Gott uns liebt und es gut mit uns meint. Für alle Christen ist es wichtig, so zu leben, wie Jesus es vorgemacht hat. Deswegen finden sie zum Beispiel Frieden, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit sehr wichtig.

Früher waren alle Christen katholisch. Aber vor ungefähr 500 Jahren gab es einen Mönch namens Martin Luther. Dem gefiel nicht alles, was damals in der Kirche passierte – zum Beispiel, dass reiche Menschen besser behandelt wurden als arme und dass es die Bibel nur auf Latein gab. Das konnten nämlich nur sehr wenige Menschen lesen. Dagegen hat er protestiert. Viele Leute haben genau so gedacht wie er – die haben auch protestiert und sich dann zusammengetan und die evangelische Kirche gegründet. Deswegen nennt man evangelische Christen auch “Protestanten”.
Katholischer und evangelischer Glaube sind also unterschiedliche Glaubensrichtungen in der christlichen Religion. Diese verschiedenen Richtungen nennt man Konfessionen.

Die Glaubensspaltung während der Reformation des 16. Jahrhunderts teilte also die abendländische Christenheit leider in eine katholische und evangelische. Seit einigen Jahrzehnten ist man wieder auf der Suche nach der Einheit. Dieses Bemühen nennt man Ökumenische Bewegung. In vielen Glaubensfragen blieb die Einheit trotz Spaltung erhalten, in anderen wurde sie wieder entdeckt:

Vieles eint katholische und evangelische Christen:

  • der Glaube an Gott, an seinen gekreuzigten und auferstandenen Sohn Jesus Christus, und an den Heiligen Geist
  • die Heilige Schrift als Wort Gottes
  • die Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
  • der Glaube, dass wir von Gott geliebt und angenommen werden nicht aufgrund eigener Leistung, sondern allein aus Gnade
  • der Glaube, dass Gott durch den Hl. Geist unsere Herzen erneuert und uns zu guten Werken befähigt
  • der Glaube, dass Christus in der Eucharistie/im Abendmahl wirklich gegenwärtig ist
  • der Glaube, dass Gott uns das ewige Leben schenken will.
  • das Apostolische Glaubensbekenntnis, das “Große Glaubensbekenntnis” (der Konzile von Nizäa 325 und Konstantinopel 381), die Feier des Sonntags, viele Feste, Gebete, Lieder, etc.
  • der vielfältige Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

Freilich gibt es auch viele Unterschiede. Aber nicht alles, was verschieden ist, muss die Kirchen trennen. Unterschiede in den Gottesdienstformen, in den theologischen Schwerpunkten und in den Kirchenordnungen können auch eine gegenseitige Bereicherung sein. Die gewünschte Einheit der Christen will diese bunte Vielfalt nicht beseitigen. Das Ziel der Ökumene ist nicht eine “uniforme Superkirche”, sondern die “versöhnte Verschiedenheit” der Konfessionen.

Was wirklich (noch) trennt:

Evangelische Christen haben keinen Papst. Im katholischen Kirchenverständnis ist der Papst der “Nachfolger des hl. Petrus” und als solcher von Christus zum obersten Schlüsselträger und Hirten der Kirche bestimmt (vgl. Mt 16,18f; Joh 21,15-17). Nach dem Dogma der Unfehlbarkeit ist eine Entscheidung des Papstes ex cathedra für alle katholischen Christen bindend. Für Evangelische ist es unvorstellbar, dass Bischöfe, oder gar der Papst qualitativ oder moralisch
bessere Menschen sind. Alle Menschen sind vor Gott gleich. Alle Menschen machen
Fehler und sind auf Vergebung angewiesen. Deswegen ist es aus evangelischer Sicht undenkbar,
dass der Papst, „ex Cathedra“ Entscheidungen treffen darf, die unwiderrufbar sind.


Unterschiedlich ist auch das Verständnis der Geistlichen, also der Pfarrer und Priester. Bei den evangelischen Christen dürfen auch Frauen als Pfarrerin tätig sein und die Pfarrer dürfen heiraten  – beides geht bei den Katholiken nicht.
In der evangelischen Kirche spricht man nicht von „Priesterweihe“, sondern von „Ordination“.
Nach dem Augsburger Bekenntnis (CA XIV) wird man von der jeweiligen Kirchenleitung
ordnungsgemäß berufen. Die apostolische Sukzession besteht in der evangelischen Kirche
nicht in der lückenlosen Personenkette, sondern im Auftrag. Evangelische Pfarrerinnen und
Pfarrer sagen: In der Verkündigung des Evangeliums, in der Taufe und im Geben des Abendmahles
stehen wir in der Nachfolge der Apostel und geben den Auftrag Jesu Christi weiter
(Matthäus 28,18-20).


In der evangelischen Kirche gibt es auch keine Unterscheidung zwischen „Klerus und Laien“,
wie in der katholischen Kirche.
Nach übereinstimmender Überzeugung der Reformatoren ist die Taufe das Grundsakrament,
das uns in die Nachfolge Christi ruft. Zu dieser Nachfolge gehört, dass wir einander Priester
sind, das heißt einander vergeben und füreinander beten. Darum vertritt die Reformation mit
besonderem Nachdruck die Lehre vom allgemeinen Priestertum beziehungsweise, wie man
auch sagt, vom Priestertum aller Gläubigen. Dazu sind alle Getauften berufen:

· Ein Kaufmann soll ein ehrlicher Kaufmann sein und darin Christus die Ehre geben. Damit
zeigt er sich als Zeuge des Evangeliums.

· Eine Mutter soll eine gute Mutter sein und ihr Kind weder vernachlässigen noch verziehen.
So gibt sie Christus die Ehre und erweist sich als Zeugin des Evangeliums.

· Ein Ehemann soll ein treuer und fürsorglicher Gatte sein. So gibt er Christus die Ehre und
predigt lebendig und glaubwürdig das Evangelium. Usw.

Diese Lehre vom allgemeinen Priestertum widerstreitet einer Klassifizierung von Klerus und
Laien, wie sie die hierarchische Kirche kennt. Die reformatorischen Kirchen kennen keinen
besonderen geistlichen Stand. „Pfarrer“ ist ein bürgerlicher Beruf, kein im Vergleich mit
Nichtpfarrern besonderer Stand.
Und dennoch gibt es auch bei den Lutherischen das ordinierte Amt derer, die nach der Ordnung
zur öffentlichen Evangeliumsverkündigung und zur Sakramentsverwaltung berufen
sind.
Das Evangelium zu verkünden, zu taufen und das Abendmahl zu halten, ist Auftrag Christi.
Es ist nicht so, dass sich die Gemeinde vor Ort überlegt: Wer könnte das bei uns machen?
Die Ordinierten stehen in der Nachfolge der Apostel, was ihren Auftrag betrifft. Das kirchliche
Amt ist nicht einfach Menschensatzung, sondern Stiftung Christi.
Artikel V des Augsburgischen Bekenntnisses von 1530 spricht davon, dass Gott das Predigtamt
eingesetzt hat, um das Evangelium von der Rechtfertigung zu verkündigen. Art. XIV
stellt fest, dass niemand in der Kirche öffentlich lehren oder predigen oder das Sakrament
reichen soll ohne Ordination.


Den wichtigsten Unterschied zwischen katholischem und evangelischem Glauben gibt es wohl bei der Abendmahlsfeier bzw. der Eucharistiefeier. Katholiken glauben, dass dabei Brot und Wein zum Leib und Blut Christi werden und Jesus so in jeder Messe körperlich anwesend ist. Für Protestanten ist Jesus auch in der Feier des Heiligen Abendmahls gegenwärtig, wie er es verheißen hat: “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.” (Mt.18,20). Brot und Wein bleiben aber nach evangelischem Verständnis beim Abendmahl Brot und Wein. Sie sind eher ein Symbol für Jesu Liebe zu uns: So wie Körner zermalen und daraus wunderbares Brot wird, und so wie Trauben gepresst und der Saft aus den Trauben fließt, so wurde Jesu Leib für uns am Kreuz gebrochen und sein Blut zur Vergebung unserer Schuld vergossen. Das bedeutet: Jesus hat uns so sehr geliebt, dass er für uns am Kreuz gestorben ist.
Nach evangelischem Verständnis darf jeder getaufte Christ an den Tisch des Herrn kommen. Nach katholischem Verständnis dürfen nur Katholiken an der Eucharistie teilnehmen.


Die katholische (und orthodoxe) Kirche kennt sieben Sakramente (=Geheimnisse, in denen sich Gott besonders als Gegenwärtig zeigt), die evangelische Kirche erkennt nur die Taufe und das Abendmahl (Eucharistie) als Sakramente an (Trauung, Konfirmation, Übertragung des geistlichen Amtes etc. sind für sie nur Segnungen, aber keine Sakramente!) Nach evangelischer Auffassung gelten als Kriterien für ein Sakrament:

  • es muss von Jesus Christus durch ein ausdrückliches Stiftungs- bzw. Verheißungswort eingesetzt sein
  • es muss mit einem sichtbaren Zeichen verbunden sein

Das erste Kriterium wird nach evangelischem Verständnis für Ehe, Salbung, Firmung und Weihe nicht erfüllt.


Evangelische lehnen die Verehrung Marias und der Heiligen ab, weil sie befürchten, dass dadurch Gottes Ehre geschmälert wird. Nach evangelischem Verständnis sind “Heilige” aber Vorbilder des Glaubens, denen es nachzueifern gilt. Gläubige benötigen sie aber nicht als „Fürsprecher bei Gott“, sondern können sich direkt an Gott mit ihrem Gebet wenden.
Und – “Heilige” können sich letztlich alle Menschen nennen, die an Jesus Christus glauben und ihm nachfolgen. Heilige sind nämlich diejenigen, die dem Heil in Christus zustreben. Deshalb richtete der Apostel Paulus auch seine Briefe „an die Heiligen“ in der Gemeinde. (Vgl. Römerbrief, Kapitel 1: „… unter denen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi … allen Geliebten Gottes, den berufenen Heiligen, die in Rom sind: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“ (Verse 6.7)


Evangelischer Glaube hält die Hl. Schrift allein für klar genug, um daran alle Lehren zu überprüfen. (Die Hl. Schrift legt sich selbst aus). Nach katholischer Lehre wird die rechte Auslegung der Hl. Schrift  durch die ununterbrochene Glaubenstradition des Gottesvolkes und durch das kirchliche Lehramt garantiert.


Die Gemeinschaft der Kirche spielt für Katholiken eine viel wichtigere Rolle als für Evangelische. Sie ist für katholische Christen Sakrament des Heiles, d. h. Zeichen und Werkzeug Gottes in der Welt.
Beim unterschiedlichen Kirchenverständnis muss man wissen, dass es bei Evangelischen und Katholischen um eine unterschiedliche Wahrnehmung von Kirche geht:
• Wenn ein Evangelischer von seiner Kirche spricht, meint er in der Regel seine Kirchengemeinde. Der Katholik dagegen meint mit „ Kirche“ seine Institution, und er denkt dabei nicht nur an das deutsche Gebiet, sondern schließt stets Rom mit ein.
• Noch deutlicher wird es beim Begriff „Ortskirche“:
Für die evangelische Gemeinde ist ihre Gemeinde vor Ort die “Ortskirche”.
In der katholischen Kirche versteht man das Bistum  als “Ortskirche”.
Für das evangelische Kirchenverständnis ist die gottesdienstliche Gemeinde, die sich am Sonntagmorgen um Wort und Sakrament versammelt, ganz Kirche (Confessio Augustana (Augsburger Bekenntnis), Artikel VII). Hier findet ein Christ alles, was er für sein Heil bedarf.


Im Blick auf die Innenausstattung der Kirche ist der Innenraum katholischer Kirchen ist oft sehr prachtvoll ausgestattet. Man findet fast überall 12 Apostelkreuze. Evangelische Kirchen sind innen zumeist einfacher gestaltet und verzichten auf pompöse Ausstattung.


Weil sie sich in den meisten Glaubensfragen einig sind, versuchen viele Katholiken und Protestanten, ihre Religion gemeinsam zu leben. Wenn Christen verschiedener Konfessionen miteinander glauben, nennt man das “Ökumene“. Das ist Griechisch und bedeutet: “die ganze bewohnte Erde”. Damit wollen Christen zeigen: eigentlich gehören wir alle zusammen.


Das Leitungsverständnis in der Evangelischen Kirche

Während sich die katholische Kirche von oben (Papst / Bischof)  nach unten (Gemeinde) aufbaut, ist es bei der evangelischen Kirche umgekehrt. Sie baut sich von unten (Gemeinde) nach oben (Präses / Bischof) auf.

Presbyterial-synodale Ordnung
In der Evangelischen Kirche von Westfalen hat sich im Laufe der Geschichte als besondere Gestalt der Kirchenverfassung die presbyterial-synodale Ordnung herausgebildet.
Sie hat eine deutliche demokratische Grundstruktur und ist durch drei Elemente gekennzeichnet:

  1. Die Kirche baut sich in ihrer Ordnung von unten nach oben, also von der Kirchengemeinde her auf.
  2. Die Leitung der Kirche liegt auf der Ebene der Kirchengemeinde bei gewählten Presbyterien, auf der kreis- und landeskirchlichen Ebene bei den Synoden (Kreissynode, Landessynode). Die Struktur ist vergleichbar mit den Kommunal-, Kreis- und Landesparlamenten auf politischer Ebene.
  3. In allen Leitungsorganen der Evangelischen Kirche wirken auf allen Ebenen hauptamtliche Ordinierte und ehrenamtliche Presbyterinnen und Presbyter zusammen.

Presbyterin/Presbyter
Presbyterinnen und Presbyter (griech. Älteste) sind die von den wahlberechtigten Gemeindegliedern in freier Wahl gewählten Mitglieder des Presbyteriums. Ihre Amtszeit beträgt vier Jahre, eine Wiederwahl ist zulässig. Sie sollen den Pfarrerinnen und Pfarrern in der Führung ihres Amtes beistehen. Einzelne Presbyterinnen und Presbyter werden mit bestimmten Aufgaben (z.B. Kirchmeisterin / Kirchmeister) betraut.

Presbyterium
Die Kirchengemeinden in der Evangelischen Kirche von Westfalen werden von Presbyterien geleitet. Mitglieder sind die gewählten Presbyterinnen und Presbyter sowie die Gemeindepfarrerin oder der Gemeindepfarrer, die kraft ihres Amtes dem Presbyterium angehören. Die Presbyterien entsenden Pfarrerinnen oder Pfarrer und Abgeordnete in die Kreissynode. So wirken die Kirchengemeinden an der Leitung des Kirchenkreises mit.

Kreissynode
Die Kreissynode (Synode: griech. Zusammenkunft) ist das Beratungs- und Beschlussgremium des Kirchenkreises. Bei ihr liegt die Leitung des Kirchenkreises. In der Kreissynode sind alle Gemeinden des Kirchenkreises durch die Pfarrerinnen und Pfarrer und durch eine entsprechende Anzahl von Presbyterinnen und Presbytern vertreten. Hinzu kommen Sachverständige für bestimmte Arbeitsbereiche sowie beratende Mitglieder. Die Kreissynode wird alle vier Jahre neu gebildet und tagt öffentlich; im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken in der Regel zweimal im Jahr. Sie entscheidet unter anderem über die Finanzverteilung, den Haushalt, Grundsätze für Personalstellen und regelt die gesamte kirchlich-diakonische Arbeit im Kirchenkreis. Den Vorsitz führt die Superintendentin oder der Superintendent.

Landessynode
Die Landessynode ist das oberste Entscheidungsorgan der Evangelischen Kirche von Westfalen. Als „Kirchenparlament“ beschließt sie unter anderem die Kirchengesetze, den Haushalt der Landeskirche sowie grundlegende Finanzregelungen, die auch die Kirchenkreise und Gemeinden betreffen. Sie berät über wichtige theologische und kirchenpolitische Themen. Die Landessynode wird alle vier Jahre neu gebildet. Sie wird vom Präses geleitet und tagt öffentlich; in der Regel einmal im Jahr. Die Kirchenkreise mit ihren Kreissynoden können Anträge an die Landessynode stellen.