Grund für das Sterben von Jesus ist die Sünde des Menschen. Sünde ist nicht nur eine moralische Verfehlung (z.B. Lüge), sondern als Sünde bezeichnet die Bibel die grundsätzliche Trennung des Menschen von Gott. Diese Trennung kann der Mensch aus eigener Anstrengung nicht überwinden, auch nicht durch gute Werke.

Weil es für den Menschen unmöglich ist, die Trennung zu überwinden ist Gott selbst Mensch geworden. Jesus, der Sohn Gottes starb stellvertretend für die Sünden aller Menschen am Kreuz.

Der Tod von Jesus bedeutet also das stellvertretende Sterben des Unschuldigen an der Stelle der Schuldigen. Indem Jesus die Strafe für die Sünde – den leiblichen und den geistlichen Tod – freiwillig auf sich nimmt, obwohl er sie niemals hätte erleiden müssen, bezahlt er an unserer Stelle.

Seither gilt jedoch: Wir brauchen die Schuld nicht mehr zu bezahlen, wir sind schuldenfrei und rein vor Gott. Das ist der Sinn des stellvertretenden Todes.

Der Tod Jesu hat in der Bibel einen zweiten Aspekt: den des Gerichts. Indem wir von Gott abgefallen sind, haben wir gegen Gottes Gerechtigkeit verstoßen, oder anders ausgedrückt: werden wir dem Ziel Gottes mit unserem Leben als seine Geschöpfe nicht mehr gerecht. Es bleibt ein Mangel, ein Fehlbetrag: eine Schuld. Diese Schuld besteht auch sozusagen juristisch, und zwar vor Gottes Richterthron.

Gott ist derjenige, der beurteilt und verurteilt. Er hat über uns ein Gerichtsurteil gefällt, das seit dem Sündenfall gültig ist, ja sogar teilweise vollstreckt wird: indem wir sterben müssen.

„Durch einen einzigen Menschen, durch Adam, ist die Sünde in die Welt gekommen und als Folge davon der Tod. Weil nun alle Menschen gesündigt haben, sind sie alle dem Tod ausgeliefert.“ (Römer 5, 12).

Wenn Jesus also unsere Schuld beglichen hat, dann muss dies auch Folgen für das über uns ausgerufene Gerichtsurteil haben. Und in der Tat: Jesu Tod erfüllt Gottes Gerechtigkeit. Jesus hat den Anforderungen, die Gott in seiner Gerechtigkeit an uns stellt, Genüge getan an unserer Stelle. Weil er gerecht ist, sind wir es auch, wenn wir an ihn glauben. Wer nicht an ihn glaubt, bleibt in der Ungerechtigkeit, dem Ungenügen und daher unter dem verhängten Urteil

„Wer an ihn glaubt, der wird nicht verurteilt werden. Wer aber nicht an den Sohn Gottes glaubt, über den ist wegen seines Unglaubens das Urteil schon gesprochen.“ (Johannes 3, 18).

Der Tod von Jesus am Kreuz bedeutet also nicht nur die Sühnung unserer Schuld, nicht nur die Aufopferung des Unschuldigen, sondern auch die endgültige Vollstreckung des Urteils und damit das Ende des Gerichtsprozesses in Sachen „Gott gegen die ganze Menschheit“.

Deshalb hat Golgatha den Charakter einer Gerichtsszenerie; es ist der Ort, wo Gott mit dem Menschen Gericht gehalten hat in Gestalt seines Sohnes. Das letzte Gericht für die Menschen wird außerhalb von Zeit und Geschichte stattfinden, und dort wird es nur zwei Urteile geben: unschuldig, weil durch den Glauben in Jesus bereits „hingerichtet“ – und schuldig, weil ohne Glauben noch nicht gerichtet.