Die Bekenntnisschriften der Evangelischen Kirche sind eine schriftliche Zusammenfassung von Glaubensgrundlagen.

Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel (4./5. Jh.)
Das Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel ist das im weitesten Sinn
ökumenische Glaubensbekenntnis, weil es die gesamte Christenheit verbindet.
Es geht auf theologische Auseinandersetzungen um die Lehre vom dreieinigen Gott (Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist), die Gottheit Christi und seine
Zuordnung zu Gott zurück, die mit dem Konzil von Konstantinopel 381 einen
Abschluss fanden. Erstmals belegt ist das Glaubensbekenntnis auf dem Konzil
von Chalcedon 451.
Apostolisches Glaubensbekenntnis (5. Jahrhundert)
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in einer Vorform erstmalig im
4. Jahrhundert belegt und wurde ab dem 5. Jahrhundert in den westlichen
Kirchen zu dem am häufigsten verwandten Glaubensbekenntnis. Mit gering-fügigen Ergänzungen versehen, bürgerte sich ab dem 7. Jahrhundert der Text
ein, der noch heute üblich ist. Das Apostolische Glaubensbekenntnis hat seinen
traditionellen Ort in der Feier des Gottesdienstes. Das Apostolische Glaubensbekenntnis verbindet als Taufbekenntnis weltweit viele Kirchen. Die evangelischen Kirchen bekennen es in Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche, der altkatholischen Kirche, den anglikanischen und anderen Kirchen. Dieses Bekenntnis geht in seinem Kern auf das Taufbekenntnis in den ersten Jahrhunderten zurück; seine Bestandteile sind ursprünglich kurze Fragen an Taufbewerber gewesen, die diese mit „Ja“ beantworteten. In späteren Fassungen wurden daraus dann die Bekenntnisaussagen: „Ich glaube an Gott, den Schöpfer…“ Seit Anfang des 5. Jahrhunderts ist das Apostolische Glaubensbekenntnis in seiner heutigen Form schriftlich belegt. Als Bekenntnis im sonntäglichen Gottesdienst erscheint es erst sehr spät und hat heute neben dem Bekenntnis von Nizäa – Konstantinopel gleichberechtigt seinen Platz in der Ordnung des lutherischen Gottesdienstes. Seit jeher wurde es als eine kostbare Zusammenfassung des Glaubens der Kirche angesehen. Das aus dem Griechischen stammende Wort „katholisch“ im dritten Abschnitt des Urtextes heißt „auf das Ganze bezogen“ und drückt aus, dass die Kirche auf der ganzen Welt verbreitet ist und dass das Evangelium allen Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten gilt. Dieses Wort dient also nicht zur Bezeichnung einer bestimmten Konfession; deshalb übersetzen es die evangelischen Kirchen mit „christlich“ oder „allgemein“

Das Augsburger Bekenntnis
Die zentrale Bekenntnisschrift der lutherischen Reformationsbewegung in Deutschland, die Augsburger Konfession von 1530 wurde von ,Philipp Melanchthon verfasst. Die Schrift entstand mit dem Ziel, für die Anhänger der kirchlichen Reformbewegung im Römischen Reich eine staatliche Anerkennung oder Duldung zu erreichen. Dazu war es nötig, die Übereinstimmung mit den wesentlichen Glaubensgrundsätzen der ersten Jahrhunderte nachzuweisen sowie eine Kompatibilität mit den Zielen öffentlicher Ordnung und staatlicher Herrschaft. Sie enthält folglich Glaubensaussagen ebenso wie Ansätze für eine Kirchenordnung.

Der kleine Katechismus Dr. Martin Luthers
Die neue Lehre der Reformatoren wurde immer wieder in großen öffentlichen Disputationen an den theologischen Fakultäten von den Fachleuten diskutiert. Doch das Gelingen der Reformation hing ganz entscheidend davon ab, ob es gelang, die neuen Erkenntnisse der weiteren Öffentlichkeit verständlich zu vermitteln. Das geschah auf vielfältige Art, zum Beispiel durch die Verbreitung von gedruckten Flugblättern, oder in ersten Liedsammlungen und Gesangbüchern in deutscher Sprache, die nicht selten einzelne Lehrstücke in gedichteter Form darstellten. Bei Visitationen mussten Luther und seine Begleiter dennoch immer wieder feststellen, wie wenig Glaubenslehre die Pfarrer selbst oft kannten. So entschloss sich Luther, für die Einübung des christlichen Glaubens einen Katechismus zu schreiben – eine Ausgabe in sehr ausführlicher Form (der „Große Katechismus“) für die Pfarrer und Lehrer der Kirche, und eine Ausgabe in ganz schlichten Ausführungen (der „Kleine Katechismus“) für die Hausväter und Familien. Diesem Zweck entsprechend waren die ersten Drucklegungen des Kleinen Katechismus als Plakate zum Aushang in Kirchen und Schulen gestaltet. Die Kernstücke des Glaubens – die 10 Gebote, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, die Taufe, das Abendmahl, die Beichte – diese „Hauptstücke“ sind in knappen Darlegungen anhand wichtiger Bibelzitate als Fragen und Antworten formuliert. Die rhythmische Sprache der Stücke des Kleinen Katechismus trägt insbesondere zu ihrer Einprägsamkeit bei.
Der Kleine Katechismus Dr. Martin Luthers ist in der gemeinsamen Fassung von 1986 wiedergegeben, die von der Evangelischen Kirche der Union und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands festgelegt worden ist.

Die Theologische Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen
Die Theologische Erklärung von Barmen ist ein bedeutendes Lehrzeugnis des
20. Jahrhunderts. Sie entstand im Jahre 1934, in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur, und versucht, angesichts staatlicher und kirchlicher Bedrohung verbindliche
Aussagen über Wesen und Auftrag der Kirche zu treffen. Die Erklärung gilt bis
heute in den deutschen Landeskirchen als schriftgemäße, für den Dienst der
Kirche verpflichtende Bezeugung des Evangeliums

Das Stuttgarter Schuldbekenntnis
Mit dem Stuttgarter Schuldbekenntnis bekannte die nach dem Zweiten Weltkrieg neugebildete Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erstmals eine Mitschuld evangelischer Christen an den Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Erklärung wurde von den EKD-Ratsmitgliedern Hans Christian Asmussen, Otto Dibelius und Martin Niemöller auf einer Ratstagung in Stuttgart gemeinsam verfasst und dort am 19. Oktober 1945 verlesen. Die Autoren hatten schon in der Bekennenden Kirche (eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen Versuche einer Gleichschaltung von Lehre und Organisation der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) in der Zeit des Nationalsozialismus. Zur Bekennenden Kirchegehörte auch Dietrich Bonhoeffer.) Leitungsämter bekleidet. Die Erklärung ging aus ihren Einsichten über das Versagen der evangelischen Kirchenleitungen in der Zeit des Nationalsozialismus hervor, die sie im Kirchenkampf und nach Kriegsende gewonnen hatten.

Leuenberger Konkordie
Als Ergebnis intensiver Lehrgespräche zwischen lutherischen, reformierten
und unierten Kirchen in Europa wurde 1973 auf dem Leuenberg bei Basel die
Konkordie reformatorischer Kirchen in Europa unterzeichnet. Die beteiligten
Kirchen erklären darin aufgrund ihrer Gemeinsamkeiten im Verständnis des
Evangeliums ihre Kirchengemeinschaft. Sie gewähren einander Kanzel- und
Abendmahlsgemeinschaft und erkennen gegenseitig die Ordination an. Über
noch strittige Fragen und aktuelle Herausforderungen bleiben die beteiligten
Kirchen im Gespräch. Über 80 Kirchen in Europa – darunter alle deutschen
Landeskirchen – haben die Leuenberger Konkordie bisher angenommen.

Weitere Bekenntnisschriften:

Magdeburger Tauferklärung


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